Zwei Lehrkräfte, die Spuren hinterlassen
Feierliche Verabschiedung von Nadja Zahler und Julius Steuerwald-Ludwig — 03.08.2026
von Achim Jung
Am Ende des letzten Schuljahrs verabschiedete das Kollegium zwei verdiente Lehrkräfte: Nadja Zahler, die Deutsch und Sport unterrichtete, und Julius Steuerwald-Ludwig, Lehrer für Deutsch und Musik. Während Nadja Zahler seit vielen Jahren zum Kollegium gehörte, war Julius Steuerwald-Ludwig erst im vergangenen Schuljahr im Rahmen einer Abordnung ans SGL gekommen. Man mag es angesichts ihres dynamischen und sportlichen Auftretens kaum glauben, dass Nadja Zahler schon so viele Jahre am SGL als sehr beliebte und inspirierende Lehrerin gewirkt hat. Julius Steuerwald-Ludwig dagegen wirkte nur ein Jahr lang am SGL und geht nun wieder an seine „alte“ Schule zurück. Beide zeichnet die gleiche außergewöhnliche Fähigkeit aus, die eigentlich jede Lehrtätigkeit ausmacht, die allerdings oft nicht genug wahrgenommen oder gewürdigt wird, nämlich Schülerinnen und Schülern einerseits ihr Fach näherzubringen und bei ihnen Talente und Können zu wecken, von denen diese selbst vorher oft nichts geahnt haben.
Nadja Zahler vermochte es vor allem, bei Schülerinnen und Schülern Begeisterung und Verständnis für Literatur und Sprache zu wecken. In seiner Rede zu ihrer Verabschiedung erinnerte sich der Schulleiter Philipp Wehmann daran, dass sich ihrer beider Wege am Anfang seiner Karriere bereits in Ramstein-Miesenbach gekreuzt hatten, als am damals neu gegründeten Ramsteiner Gymnasium zunächst noch Lehrkräfte vom SGL unterrichteten. Nadja Zahler als erfahrene Lehrkraft habe ihm damals den Einstieg an seiner neuen Schule erleichtert. Später, als er nunmehr Schulleiter in Landstuhl geworden sei, habe sie ihn erneut dabei maßgeblich unterstützt, an der neuen Schule anzukommen.
Als Symbol für die Anerkennung und Wertschätzung dafür und für ihre langjährige Arbeit am Gymnasium hatte der Schulleiter ihr ein selbstgebackenes Brot mitgebracht und es ihr mit den folgenden Worten überreicht: „Brot braucht genau das, was dich ausmacht – das Feuer. Dieses Feuer hast du über all die Jahre in deinen Unterricht getragen. Ich habe immer deine Energie bewundert und deinen Enthusiasmus für das Unterrichten junger, eher intelligenter Menschen. Daraus ist etwas geworden, was Menschen nährt. Denn nichts anderes ist das Fach Deutsch: das tägliche Brot, von dem jedes andere Lernen lebt, die Sprache, die alles trägt.“ Am Schluss seiner Rede übergab der Schulleiter feierlich die Urkunde an Nadja Zahler, durch deren Überreichung sie in den Ruhestand versetzt wurde.
Dieser Würdigung schloss sich Björn Freudenberg als Vertreter des Personalrats an. An Nadja Zahler gewandt, verlas er einen von ihm verfassten, ebenso bewegenden wie emotionalen Brief, der stilistisch und inhaltlich dem Schreibstil Werthers nachempfunden war, jenes Briefromans, den Nadja Zahler mit unzähligen Jahrgängen gelesen hatte. Dabei sei es ihr oft gelungen, dem Desinteresse der Schülerinnen und Schüler mit Energie und Begeisterung zu begegnen, sodass diese am Ende etwas von dem begreifen und verstehen konnten, was Literatur bedeute, so Freudenberg: „Wie oft sah ich dich im Klassenzimmer stehen, umgeben von jungen Gemütern, und dachte: So muss es sein, wenn Bildung gelingt. Denn wo andere Stoff vermittelten, stiftetest du Sinn; wo andere erklärten, erzähltest du; wo andere kritisierten, ermutigtest du. Wie oft standest du im Klassenzimmer, umgeben von jenen jungen Menschen, die noch nicht ahnten, dass Literatur ihnen einst Halt geben würde. Und du, du ahntest es für sie. Du nahmst sie bei der Hand, führtest sie durch Gedichte und Dramen, durch Briefe und Romane – und manchmal, ganz leise, auch zu sich selbst.“ Nadja Zahler habe der Schule Geist verliehen, der zwar nun allen fehlen werde, aber nicht wirklich weg sei: „Du bist hier nicht gegangen – du bist geblieben, in all dem, was du hinterlassen hast.“
Auch Julius Steuerwald-Ludwig würdigte Philipp Wehmann in einer persönlichen Abschiedsrede. Aus eigener Erfahrung berichtete er, wie er am Vortag des Schulkonzerts bestürzt feststellen musste, dass sich der Gesang des Schulchors ausgesprochen grauslich angehört habe. Dann sei er Zeuge eines wahren Wunders geworden, denn es sei ihm an nur einem Nachmittag gelungen, den ganz unmusikalischen Schulchor in einen wohlklingenden Klangkörper zu verwandeln. Das sei nicht nur Können, so der Schulleiter dazu, das sei Begeisterung, die anstecke. Seine Stammschule könne sich glücklich schätzen, einen solchen Lehrer zurückzubekommen.
Björn Freudenberg schloss sich dem Schulleiter im Lob der musikalischen Arbeit von Julius Steuerwald-Ludwig an. Auch er bedauerte, dass seine Zeit nur ein kurzes Gastspiel geblieben war. Besonders das große Engagement bei Schulveranstaltungen hob Björn Freudenberg hervor: „Mit Ihrer Leidenschaft brachten Sie frischen Wind und brachten auch die lauten und ruhigen Töne unter, integrierten sich aber in das Ensemble der Musiklehrer. Inspirierend und beratend standen Sie nie im Vordergrund, und dennoch wäre manches ohne Ihren Einsatz schlichtweg nicht möglich gewesen.“
Die Abschiedsworte an die Schulgemeinschaft von Nadja Zahler sehen Sie Hier!
