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Rekordergebnis beim Abitur 2026: Alle bestehen, fünfmal die 1,0

Ein außergewöhnlicher Jahrgang überzeugt mit Bestleistungen und einer starken Gemeinschaft — 28.03.2026

von Achim Jung
Die lange Phase der Abiturprüfungen ist endlich zu Ende. Die Abiturientinnen und Abiturienten waren bei der diesjährigen Abiturfeier in der Stadthalle von Landstuhl sichtlich in Partystimmung. Es gibt auch etwas zu feiern: 100% des Jahrgangs haben das Abitur bestanden! Fünf SchülerInnen bestanden das Abitur mit der Traumnote 1,0! Die Jahrgangsbeste Alina Unold errang gar unfassbare 890 von 900 möglichen Punkten!
Diese Feierstimmung brachte auch das diesjährige Abiturmotto zum Ausdruck: „A little party never killed no Abi“. Dieses Motto macht allerdings auch nachdenklich und seine Wahl erscheint angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen auch gut überlegt. Es spielt nämlich darauf an, dass wir in einer Epoche leben, in der der US-Präsident Trump kürzlich zu einer großen Gala-Party mit dem Thema „The Great Gatsby“ eingeladen hat und damit Reichtum, Exzess und Lebenslust feiern wollte. Aber bei der Wahl dieses Mottos war er offenbar völlig ahnungslos, was der gleichnamige Kultroman des amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald tatsächlich bedeutet. Hätte Trump nur verstanden, dass das Gatsby-Motto der Party nicht anders zu verstehen ist, als dass ein Leben in Oberflächlichkeit, Dekadenz und Egoismus notwendig zu einem tragischen Ende führen muss, hätte er nicht die ganze Welt in Abgründe von Krisen, Katastrophen und Kriegen gestürzt. So aber war die Zeit der Abiturvorbereitungen und der Prüfungen unseres aktuellen Abiturjahrgangs überschattet durch bestürzende und erschütternde Nachrichten über Kriege und Zerstörungen.
Das Abiturmotto „A little party never killed no Abi“ nimmt Bezug auf den Titel eines Songs von Fergie aus dem Soundtrack der Neuverfilmung von „The Great Gatsby“ durch Baz Luhrmann aus dem Jahr 2013. Es stellt sich dem aktuellen Zeitgeist ganz hervorragend entgegen. Die Schülerinnen und Schüler wissen um die Bedeutung des Abiturs, können jedoch auch feiern, ohne dabei in Oberflächlichkeit, Egoismus und Dekadenz zu verfallen. Trotzdem hatten die Abiturientinnen und Abiturienten bei der Abiturfeier alle das nötige stylische Outfit, um auch bei jeder beliebigen Gatsby-Party teilnehmen zu können, ohne dabei groß aufzufallen.
Die Schülerinnen und Schüler hatten auch jeden Grund, nach der Abiturfeier beim Abiball eine große Party zu feiern. Denn mit der Überreichung der Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife durch ihre StammkursleiterInnen, erhielten sie jeweils ein Dokument mit buchstäblich globaler Gültigkeit und Anerkennung, da das Abiturzeugnis für die Aufnahme jedes Studiums, nicht nur in Deutschland, sondern in fast jedem anderen Land der Welt berechtigt. Es wird nun darauf ankommen, ob und inwieweit es den Schülerinnen und Schülern gelingt, die gewaltige Freiheit zu nutzen, die sie mit der Erlangung des Abiturs nun haben.
Mit dem Abiturjahrgang 2026 verlässt nun bereits der dritte Jahrgang das Gymnasium, der jeweils den gesamten dreijährigen Zeitraum der Oberstufe am Standort Wallhalben verbracht hat. Seit dem Umzug nach Wallhalben im Sommer 2021 haben damit fünf Jahrgänge in Wallhalben Abitur gemacht. Immerhin ist jetzt ein Ende der in ihrer Dauer titanisch anmutenden Sanierungsarbeiten im Jahr 2028 in Sicht.
Die Schülerinnen und Schüler trugen nun schon über Jahre in Wallhalben zu einem ökonomischen Aufschwung der lokalen Wirtschaft bei und belebten Schulgebäude, die sonst dort leerstehen würden. Ein nicht enden wollender Strom von Schülerinnen und Schülern bewegte sich in Freistunden oder Pausen zwischen der Schule und den nahen Supermärkten hin und her, um Geld dorthin und leckere Esswaren und erfrischende Getränke zurückzutragen. Erstaunlicherweise gibt es in der Schule zudem auch noch einen Kiosk, wo ein freundlicher Händler weitere Getränke und Snacks anbietet, die auch nicht verschmäht, sondern täglich zur Gänze genüsslich vertilgt werden. Wenn die kulinarische Versorgung der zukünftigen Abiturientia in Wallhalben nichts zu wünschen übrig gelassen hat, setzte der überwältigend idyllisch gelegene zweite Standort des Gymnasiums im schönen Wallhalbtal dem Ganzen noch die Krone auf. Der ein wenig abgelegene Standort ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, sich in Ruhe auf das Abitur vorzubereiten. In Freistunden waren auch Waldspaziergänge möglich und mittags zudem noch Abstecher in die nahe gelegene Pizzeria bzw. den Kebabimbiss und zur Eisdiele. Viele Abiturientinnen und Abiturienten gelang es vor diesem Hintergrund auch dieses Jahr, Beachtliches zu leisten und hervorragende Noten zu erzielen.
Besonders bemerkenswert ist es, dass 11 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs erst vor einigen Jahren mit wenig oder sogar gar keinen Deutschkenntnissen ans SGL gekommen sind, das Abitur bestanden haben, teilweise mit hervorragenden Noten, sogar im Fach Deutsch. Die Einrichtung von ergänzenden Kursen im Fach "Deutsch als Zweitsprache", für die sich die Schulleitung besonders eingesetzt hat, zumal einige Lehrkräfte des SGL zufällig dafür auch über eine spezielle zusätzliche Lehrbefähigung verfügen, hat sich hier in beeindruckender Weise ausgezahlt.

In seiner Abiturrede beglückwünschte der Schulleiter Philipp Wehmann die Abiturientinnen und Abiturienten zu ihrem sehr erfolgreich bestandenen Abitur. Obwohl die Jahre der Vorbereitung auf das Abitur unter den ungünstigen Bedingungen einer Gesamtsanierung der Schule stattgefunden haben, was zum Beispiel bedeutet, dass der größte Teil des Kollegiums pendelnd einen Teil fast jeden Unterrichtstages auf den Landstraßen zwischen Wallhalben und Landstuhl verbringen muss, haben 100 % des Jahrgangs bestanden und konnten das Abiturzeugnis aus den Händen des Schulleiters glücklich entgegennehmen. Dessen Bedeutung hob er mit eindringlichen Worten hervor: "Denn was Ihr heute erhaltet, ist mehr als eine Zugangsberechtigung zu Studium oder Beruf. Es ist die Möglichkeit, Euer Leben eigenständig zu gestalten. Macht also etwas aus Euch! Geht hinaus in die Welt mit der Entschlossenheit, die Zeit, die Euch gegeben wurde, als das Geschenk zu betrachten, das sie ist. Nicht mit der Erwartung, dass sie auf Euch wartet — sondern mit der Bereitschaft, in ihr zu wirken. Dabei werdet Ihr Umwege gehen. Ihr werdet Entscheidungen revidieren. Ihr werdet Pläne ändern. Aber das ist kein Scheitern. Das ist Leben. Denn wichtig ist nicht, dass Ihr sofort den richtigen Weg findet. Wichtig ist, dass Ihr Euren Weg sucht, ihn dann findet und diesen wirklich geht."

Die Abiturrede im Namen der Lehrerschaft hielt dieses Jahr Knut Böhlke, der Kursleiter des Stammkurses Sozialkunde war. Er hob das besondere Engagement der Eltern in der Unterstützung ihrer Kinder bei der Vorbereitung auf das Abitur hervor. Knut Böhlke blickte auf die gemeinsame Schulzeit zurück – von den ersten Tagen über die Herausforderungen der Corona-Pandemie bis hin zu besonderen Erlebnissen wie Klassenfahrten – und unterstrich, dass Schule mehr als Unterricht sei, nämlich auch persönliches Wachstum und Gemeinschaft. Abschließend ermutigte der Stammkurslehrer die Abiturientia, Verantwortung zu übernehmen, engagiert und empathisch zu handeln, Chancen zu nutzen und ihren eigenen Weg in einer freien Gesellschaft selbstbestimmt zu gestalten: "Mischt euch ein! Unsere Gesellschaft braucht engagierte Menschen wie euch. Man kann sich nicht aus allem heraushalten, sonst entscheiden andere für euch und vielleicht auch die Falschen. Bleibt informiert und engagiert euch in Politik, bei Vereinen, in Initiativen oder auch anderswo. Überlasst nicht alles den anderen. Bestimmt und gestaltet mit!
Es gibt derzeit viele schlechte Nachrichten, aber es gibt auch gute, sucht sie oder noch besser: Sorgt selbst für solche! So wie heute.
Bleibt menschlich! Versetzt euch in die Lage eures Gegenübers, man nennt es Empathie, und ihr werdet Vieles besser verstehen und auch bessere Entscheidungen treffen können."

Die Rede im Namen der Schülerschaft zu halten, oblag den Schülersprechern Jonas Becker und Silas Lüer. Die beiden Redner vergegenwärtigten die langen Jahre ihrer Schulzeit als gemeinsame Schiffsreise. In einem unterhaltsamen Dialog ließen sie die einzelnen Etappen auf dem Weg zum Abitur Revue passieren. Es galt, Ozeane zu überqueren, Stürmen zu trotzen, durch Meerengen zu gelangen, um endlich in den Hafen des Abiturs einzulaufen. Unterwegs lernten sie viele Länder kennen, vor allem die Toskana in Italien, wohin sie ihre Abschlussfahrt geführt hatte: „Und schließlich war es so weit: Die große Show, die Prüfungen, das Abi selbst, stand bevor. Plötzlich war die Zukunft nicht mehr weit weg, sondern zum Greifen nah. Wir hatten alles gelernt, was gelernt werden sollte, hatten Stürme und Flauten gemeistert, neue Matrosen willkommen geheißen und alte verabschiedet. Und somit endet unsere Reise, hier in Landstuhl in der Stadthalle.“

Im Anschluss an die Verleihung der Zeugnisse fand die Verleihung der Abiturpreise statt.
Der Schulleiter Philipp Wehmann überreichte den Preis des Ministers für vorbildliche Haltung und beispielhaften Einsatz in der Schule an Jonas Becker.
Den Preis des Vereins der Freunde des SGL, den Dr.-Hubert-Weber-Preis, verlieh im Namen des Vereins das Mitglied der erweiterten Schulleitung, Oliver Wendenburg, an gleich drei Abiturienten: Ben Schulz, Jona Hoppe und Elias Sprau. Damit wurde ihr außergewöhnlicher und selbstloser Einsatz für die Schulgemeinschaft, insbesondere bei der Organisation und Durchführung von Schulveranstaltungen, gewürdigt. In seiner Laudatio auf die Preisträger dieser besonderen Auszeichnung des SGL hob Oliver Wendenburg die Bedeutung der Schulgemeinschaft hervor, die darauf angewiesen sei, dass es Menschen gebe, die sich um diese Gemeinschaft verdient machen und sich für sie einsetzen, ohne sich doch dabei in den Vordergrund zu drängen, sondern im Gegenteil, anderen dabei zu helfen, sich in dieser Gemeinschaft heimisch zu fühlen. Oliver Wendenburg lobte die drei Preisträger als Team, das gemeinsam unschlagbar gewesen sei: „Diese drei ergänzen sich in ihren Eigenschaften derart, dass die Summe wahrhaft größer ist als ihre Teile – und das nicht nur, weil für die Montage manchen Scheinwerfers unser Ben schlicht zu klein war. Freundlich, zuvorkommend, sportlich, groß, klein, technisch bewandert und dennoch bodenständig: Das alles trifft auf euch zu. Für euch war „Team“ nie ein Akronym für „Toll, ein anderer macht’s“. Unter erschwerten Bedingungen – zwei Schulstandorte und keine Aula – war euch auch nichts zu viel. Wenn die Einweihung der neuen Aula am Horizont wieder einmal weiter in die Ferne rückte, dann brauchte es in der MSS 13 eben eine „Tour de Süd-/Westpfalz“ zum Einsammeln sämtlicher Bühnenpodeste, um die Sporthalle für eine Woche in eine solche Aula zu verwandeln. Behaltet euch all das, was ihr euch erarbeitet habt. Bleibt so zurückhaltend, interessiert und engagiert wie bisher – dann seid ihr nicht nur für unsere Schule, sondern für unsere Gesellschaft ein Gewinn. Herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung!“

Die Preise des Landkreises Kaiserslautern für einen Abiturschnitt von 1,5 oder besser wurden von dem Zweiten Kreisbeigeordneten Dr. Walter Altherr überreicht. Sie gingen an Alina Unold, Fiona Jung, Hannah Schwarz, Guilia Hernández Delgado und Vincent Lelle (alle 1,0), Ben Schulz (1,1), Domenic Berger, Melissa Mathews, Emily Holzberger (alle 1,3), Lena Zoé Kreidler (1,4), Mia Fuhrmann und Maja Koper (1,5).
Die Preise der Verbandsgemeinde Landstuhl gingen an Silas Lüer und Vincent Lelle. Sie wurden vom Bürgermeister der Verbandsgemeine Landstuhl, Dr. Peter Degenhardt, übergeben.
Die Preise der Stadt Landstuhl wurden Giulia Hernández Delgado, Vincent Lelle und Fiona Jung vom Bürgermeister der Stadt, Mattia De Fazio, überreicht.
Den Preis der Partnerstadt Pont-à-Mousson für hervorragende Leistungen im Fach Französisch erhielt Alina Unold. Diesen besonderen Preis, der mit einer Einladung nach Frankreich in die Partnerstadt verbunden ist, überreichte ebenfalls der Stadtbürgermeister Mattia De Fazio.
Lilian Natale erhielt den Preis des Altphilologenverbands für seine besonderen Leistungen im Fach Geschichte.
Der Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ging an Ben Schulz.
Den Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) errang Alina Unold.
Mit dem renommierten Scheffel-Preis der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe für hervorragende Leistungen im Fach Deutsch wurde Hannah Schwarz geehrt.
Der Preis der Deutschen Gesellschaft für Philosophie e.V. ging an Domenic Berger.
Vincent Lelle wurde zusätzlich durch den Preis des Deutschen Altphilologenverbands für sehr gute Leistungen im Fach Latein gewürdigt.
Den Preis der Atlantischen Akademie für sehr gute Leistungen im Fach Englisch erhielt Melissa Mathews.
Den Preis der Europa-Union erhielten Fiona Jung und Hannah Schwarz.
Mit dem Preis des Fachbereichs Geographie (Stadtplanungsbüro FIRU mbH Kaiserslautern) für ihre hervorragenden Leistungen wurden Lilian Natale und Lena Zoé Kreidler ausgezeichnet.
Herzlichen Glückwunsch zum Abitur und alles Gute für die Zukunft!

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Rede des Schulleiters, Herr Philipp Wehmann, zum Abitur 2026

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
sehr geehrte Eltern und Familien,
liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste!

Jede Schule hat ihre eigenen Tage im Jahr. Tage voller Unterricht. Voller Routine. Manchmal auch voller Hektik. Und dann gibt es die besonderen Tage, an denen die Schule innehält. Heute ist ein solcher Tag am Sickingen-Gymnasium. Heute schauen wir nicht auf Klassenräume und Stundenpläne, sondern auf Euch, liebe Abiturientinnen und Abiturienten.
Viele von Euch haben hier einen großen Teil ihres Lebens verbracht. Morgende auf dem Schulhof, Gespräche auf den Treppen, letzte Minuten vor Klassenarbeiten, erste Minuten nach Ferien. Aus einzelnen Jahren ist eine gemeinsame Zeit geworden, erst in Landstuhl, dann in Wallhalben. Und aus kleinen Fünftklässlerinnen und Fünftklässlern sind junge Erwachsene geworden.

Deshalb ist dieser Tag mehr als eine Zeugnisvergabe. Er ist einerseits ein Abschied — und zugleich ein Anfang. Bevor ich aber gleich noch ein wenig auf diesen Anfang schauen werde - die Wege, die nun vor Euch liegen, die Entscheidungen, die diesen Wegen zu Grunde liegen - möchte ich einige Begrüßungen aussprechen.
Natürlich begrüße ich vor allem Euch alle, liebe Absolventinnen und Absolventen, zu Eurer Abschlussfeier. Wunderbar, dass Ihr alle es hierhin geschafft habt, und sowohl Eure Bestehensquote von 100% als auch fünf Mal der überragende Durchschnitt von 1,0 freut uns sehr. Im Namen der gesamten Schulgemeinschaft gratuliere ich Euch von ganzem Herzen!
Mit besonderer Freude begrüße ich auch die Eltern, und ich gratuliere Ihnen auch! Sie haben entscheidend daran mitgewirkt, dass unsere Abiturientinnen und Abiturienten, die hier sitzen, ihr Ziel erreichen konnten; Sie haben sich mit den süßen Kleinen wie auch mit den anstrengenderen Heranwachsenden auseinandergesetzt, haben kutschiert oder in fahrbare Untersätze investiert, haben Ihren Kindern all das ermöglicht, was Sie für einen jungen Menschen für angemessen hielten. Das ist eine große Leistung – ich sage das aus eigener Erfahrung.
Ein expliziter Gruß geht auch an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen unseres Lehrkörpers, die wieder einmal erfolgreich einen Jahrgang zu seinem Abschluss geführt haben. Als Schulleiter möchte ich das mit einem großem Dank an Sie verbinden, für Ihr großes Engagement unter den Bedingungen, die wir am SGL wohlwollend als ‚dynamisch‘ bezeichnen könnten. Zwischen Baustellenlärm und dem logistischen Kraftakt unserer zwei Standorte haben Sie den Fokus bewahrt und es durch Ihr umso höher einzuschätzendes Engagement unseren Schülerinnen und Schülern ermöglicht, von der Welt zu erfahren, in kultureller, in politischer, in naturwissenschaftlicher, in linguistischer und in so vielerlei Hinsicht mehr.
Einen ebenfalls mit einem Dank versehenen Gruß richte ich an unser MSS- und Abitur-Organisationsteam. Unser MSS-Leiter Herr Burkart hat Euch, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, ruhig und konzentriert durch die drei Jahre der MSS geführt, und Herr Fichtner hat ihn dabei stets unterstützt. Mein zweiter Stellvertreter Herr Neukirch hat immer ein Auge auf die Schülerinnen und Schüler in Wallhalben, plant insbesondere die Tage der mündlichen Prüfungen mit und sorgt so für deren Gelingen, übrigens auch das Gelingen genau dieser Abiturfeier, die er verantwortlich organisiert hat. Mein Stellvertreter Herr Dick ist bei allem maßgeblich mit eingebunden, was Aufsichts-, Vertretungs-, Prüfungspläne (und was es sonst noch so an Plänen gibt) angeht. Und last but not least: Unsere Schulsekretärin Frau Hutterer hat dieses Jahr zum zweiten Mal eine wichtige Rolle im Maschinenraum besonders der mündlichen Abiturprüfungen eingenommen, hat Papiere ausgeteilt und entgegengenommen und einsortiert und stand für alles zur Verfügung, was ihr in diesen Tagen angetragen wurde, immer mit Ruhe, mit Freundlichkeit, mit Proaktivität.
Vielen Dank allen, die zu den schönen Ergebnissen, die wir heute feiern, beigetragen haben!

Ich mache nun aber weiter mit dem Begrüßen:
Sehr gerne begrüße ich nämlich auch unsere weiteren Gäste, die diese Veranstaltung mit ihrer Anwesenheit beehren:

  • Herrn Marcus Klein und Herrn Daniel Schäffner, Mitglieder des rheinland-pfälzischen Landtages als Vertreter des Landkreises Kaiserslautern; beide sind zudem Mitglieder des Kreistags;
  • Herrn Dr. Walther Altherr, als Beigeordneter des Landkreises Kaiserslautern der Vertreter unseres Schulträgers,
  • Herrn Dr. Peter Degenhardt, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl und Mitglied des Kreistags, sowie Frau Nicole Meier, 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Landstuhl und Mitglied des Kreistags,
  • Herrn Mattia de Fazio, Stadtbürgermeister der Stadt Landstuhl und ebenfalls Mitglied des Kreistags,
  • Frau Marie-Dominique Formery, Vertreterin von Landstuhls Partnerstadt Pont-á-Mousson,
  • Herrn Dieter Guhl, Schulelternsprecher des SGL,
  • Tim Berberich und Marco Sowade, unsere Schülersprecher,
  • Frau Dr. Nicole Natale, Vorsitzende des Vereins der Ehemaligen, Freunde und Förderer des Sickingen-Gymnasiums,
  • Frau Richter und Frau Cetecioglu vom Deutschen Roten Kreuz,
  • und natürlich alle Familienangehörigen und Freunde unserer Abiturientinnen und Abiturienten!

Jetzt wird es spannend, auch für mich: Ich sah drei mündliche Deutschprüfungen, die als Textgrundlage eine Glosse von Kurt Tucholsky mit dem Thema „Wie halte ich eine schlechte Rede“ hatten. Das setzt ein wenig unter Druck …
Wenn man nach vielen Jahren Schule an dem Punkt steht, an dem Ihr nun steht, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, stellt sich fast automatisch eine Frage: Was bleibt, abgesehen von Kenntnissen, Methoden, Abschlüssen, von dieser Zeit?
Um darauf zu antworten, möchte ich zwei große Bildungsdenker ins Spiel bringen, denen ich in meiner beruflichen Vergangenheit in Deutschland und Argentinien besonders begegnet bin und die sich — gedanklich zumindest — zu uns in diese Aula setzen und uns wertvolle Einsichten zum Thema geben könnten: Johann Wolfgang von Goethe und Domingo Faustino Sarmiento. Der eine ein, nein der deutsche Dichter, Naturforscher und Europäer. Der andere ein, nein der argentinische Pädagoge, Schulgründer und Staatsmann (Euch vermutlich weniger bekannt als Messi oder Maradona, in Argentinien aber tatsächlich von einem Bekanntheitsgrad wie bei uns Goethe). Zwei Männer von unterschiedlichen Kontinenten – und doch verbunden durch eine gemeinsame Überzeugung: Dass Bildung viel mehr als bloßes Wissen bedeutet.
Goethe hätte nämlich vermutlich gesagt: Der Mensch muss lernen, sich selbst zu erkennen und die Welt zu verstehen. Und Sarmiento hätte ergänzt: Er, der Mensch, muss dieses Verständnis einsetzen – zum Wohle der Gemeinschaft.
Zwischen diesen beiden Gedanken bewegt sich Schule bis heute. Ihr seid ja die erste Generation, für die in einer Zeit rasanten technischen Fortschritts Information jederzeit verfügbar ist. Doch Verfügbarkeit von Wissen ersetzt kein angeeignetes Wissen und kein auf dessen Grundlage gefälltes Urteil.
Und so habt Ihr hier am SGL gelernt, Euch wichtige Fakten anzueignen, Zusammenhänge zwischen diesen Fakten zu erkennen, Widersprüche auszuhalten, Positionen zu prüfen und auch die eigene Meinung zu hinterfragen, für Euch selber, aber immer auch zum Wohle der Gemeinschaft. Das ist Bildung.
Goethe hätte Euch dem entsprechend gesagt: Der Mensch versteht nur, was er auch selbst geistig durchdrungen hat. Und Sarmiento hätte ergänzt: Eine Gesellschaft funktioniert nur, wenn ihre Bürger urteilsfähig sind.
In der heutigen Welt seid ihr mit globalen Herausforderungen konfrontiert –politisch, gesellschaftlich und ökologisch. Diese Herausforderungen erfordern von euch wissensbasierte Urteile, eine klare Haltung und verantwortungsbewusstes Handeln.
In diesem Sinne war und ist Schule immer mehr als Vorbereitung auf einen Beruf. Sie ist Vorbereitung darauf, an der Gesellschaft teilzuhaben; sie lässt Euch der Verantwortung gerecht werden, die der Mensch in ihr hat; sie soll Euch dazu befähigen, nicht nur Euren Platz zu finden, sondern auch Euren Beitrag zu leisten. Denn:

  • Wer gelernt hat, genau hinzusehen, wird Manipulation erkennen.
  • Wer gelernt hat zuzuhören, wird Verständigung ermöglichen.
  • Wer gelernt hat zu denken, wird handeln können.

In Wilhelm Meisters Wanderjahren schreibt Goethe: „Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.“ Also nicht nur die Theorie, sondern auch die darauf basierende Praxis, nicht nur das Reden, sondern auch das daraus folgende Handeln – das sind die Dinge, die die Gesellschaft von Euch erwartet.
Während ich hier spreche, denke ich an einen eigenen schweren Verlust, und dieser lässt mich immer wieder über die Kostbarkeit des Augenblicks nachdenken. Denn wir verschieben das Leben gern auf später: Nach der nächsten Prüfung. Nach der Ausbildung. Nach dem Studium. Wenn alles begonnen hat.
Aber das Leben beginnt nicht irgendwann. Es geschieht jetzt. Nicht als große Entscheidung, sondern in der Art, wie wir einen Tag verbringen. Wen wir ernst nehmen. Wofür wir uns interessieren. Wozu wir den Mut haben. Welches Ziel wir verfolgen. Was wir geben müssen.
Deshalb: Beginnt jetzt, wie Goethe es fordert, zu handeln. Ihr habt nunmehr die Würde des Erwachsenseins erlangt, die nicht darin besteht, Sicherheit zu haben, wohl aber innere Orientierung. Diese Orientierung zeigt ihren Wert in Eurem Handeln. Führt daher Euer Leben aktiv, mit der inneren Orientierung, die Euch nun zu eigen ist. Macht etwas daraus, für Euch selbst, und für die Gesellschaft, die Euch immer tragen wird, die Menschen, die Euch immer tragen werden.
Denn was Ihr heute erhaltet, ist mehr als eine Zugangsberechtigung zu Studium oder Beruf. Es ist die Möglichkeit, Euer Leben eigenständig zu gestalten. Mit Freiheit – aber auch mit Verantwortung. Mit Chancen – aber auch mit Folgen. Mit Möglichkeiten – aber auch mit Entscheidungen, deren Ergebnis Ihr heute noch nicht kennt. Entsprechend meinte auch Sarmiento: „El hombre no es | lo que es | por lo que nace, sino por lo que se hace” - Der Mensch ist nicht das, was er ist, durch seine Geburt, sondern durch das, was er aus sich macht. “
Macht also etwas aus Euch! Geht hinaus in die Welt mit der Entschlossenheit, die Zeit, die Euch gegeben wurde, als das Geschenk zu betrachten, das sie ist. Nicht mit der Erwartung, dass sie auf Euch wartet — sondern mit der Bereitschaft, in ihr zu wirken. Dabei werdet Ihr Umwege gehen. Ihr werdet Entscheidungen revidieren. Ihr werdet Pläne ändern. Aber das ist kein Scheitern. Das ist Leben. Denn wichtig ist nicht, dass Ihr sofort den richtigen Weg findet. Wichtig ist, dass Ihr Euren Weg sucht, dann findet und diesen wirklich geht.
Dazu wünsche ich Euch Interesse, das Euch leitet. Ich wünsche Euch ein Studium oder eine Ausbildung, von denen Euch eines wirklich packen möge. Ich wünsche Euch Begegnungen, die Euch verändern. Und Aufgaben, die größer sind als Ihr selbst. Damit Ihr weiter daran wachst.
Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, tragt hinaus, was Ihr hier erworben habt: Euren Verstand, Eure Haltung, Eure Menschlichkeit. Dann wird aus Zukunft - Wirklichkeit.
Ich gratuliere Euch nochmals von Herzen zum bestandenen Abitur.