Die ethischen Problemfelder von Gerechtigkeit und Freiheit
Exkursion zweier Ethikkurse Jg. 9 und 12 zu einer Verhandlung im Landgericht Saarbrücken — 17.08.2025
Am Montag, den 16. Juni 2025, besuchte unser Ethikkurs der neunten Klasse von Frau Zamani gemeinsam mit dem Ethikkurs der zwölften Klasse von Frau Preis das Landgericht in Saarbrücken. Wir trafen uns früh am Bahnhof, da unsere Zugfahrt bereits um 6:40 Uhr begann. Gegen kurz vor 8:00 Uhr kamen wir am Landgericht an und begaben uns anschließend direkt zum Gerichtsgebäude.
Am Eingang des Landgerichts fand eine Sicherheitskontrolle statt. Alle Taschen mussten abgegeben werden; diese wurden schließlich durchsucht. Wir durften sie aber trotzdem mit in den Saal nehmen. Handys mussten alle ausgeschaltet sein, und Essen und Trinken waren nicht erlaubt.
Nach der Kontrolle wurden wir von einer Mitarbeiterin in einen der Gerichtssäle begleitet. Dort warteten wir auf den Beginn der Verhandlung. Als der Angeklagte in den Saal geführt wurde, trug er Handschellen, denn dieser war – wie sich später herausstellte – wegen 23 Delikten vorbestraft.
Die Richterin eröffnete die Verhandlung, erinnerte sich dann aber daran, dass sie ihren Ordner mit den Unterlagen nicht bei sich hatte. Daraufhin musste die Justiz den Ordner holen und es kam zu einer Verzögerung.
Dann begann der Staatsanwalt damit, die Anklagepunkte vorzulesen. Es handelte sich überwiegend um Diebstahl. Der Angeklagte war nämlich in ein Haus eingebrochen und hatte dort Actionfiguren, ein Handy und Geld entwendet. Er stahl außerdem mehrmals Münzgeld aus verschiedenen Geldautomaten an Waschanlagen und fuhr dabei wissentlich ohne Führerschein und mit mehrfach abmontierten und gestohlenen Nummernschildern.
Der Angeklagte beleidigte außerdem eine Mitarbeitende in einem Kasino und schlug mit einem Bolzenschneider, mit dem er zuvor Automaten aufgebrochen hatte, auf einen Mann ein. Er flüchtete vor der Polizei und fuhr dabei auf der falschen Fahrbahn. Als ihm ein Lkw entgegenkam, wich er gerade noch rechtzeitig aus. Die gestohlenen Gegenstände verkaufte er zum Eigennutz bei einem unwissenden Händler.
Der Verteidiger des Angeklagten wusste anscheinend nicht von all den Vorstrafen, und er forderte eine Unterbrechung der Verhandlung mit anschließender Beratung unter den Richtern und Anwälten. Wir hatten in dieser Zeit Pause. Danach wurde die Verhandlung fortgesetzt.
Schließlich bekamen wir die Zeugenaussagen zu hören. Einer der Zeugen hatte eine verbogene Nase, die wohl durch den Bolzenschneider entstanden ist, mit dem er geschlagen worden war. Dieser Zeuge konnte jedoch kein Deutsch, weshalb eine Übersetzerin versuchte, seine Aussagen zu übertragen. Seine Aussagen waren jedoch nicht schlüssig, teilweise widersprüchlich und verwirrend. So meinte er beispielsweise, dass er mit einem Messer geschlagen worden sei, obwohl es eigentlich um einen Bolzenschneider ging.
Während er erklärte, was geschehen war, stand er auf, lief vor zur Richterin und gestikulierte heftig. Daraufhin brachte die Justiz ihn wieder an seinen Platz.
Nachdem wir die anderen Zeugenaussagen gehört hatten, begaben wir uns zurück nach Landstuhl. Das Ergebnis der Verhandlung bekamen wir nicht mit, da sie an einem anderen Tag fortgeführt wurde. Frau Zamani wird jedoch über den Ausgang der Verhandlung noch informiert werden.
Ein Bericht von Vincent Rickart (Klasse 9a)
